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Absorber selbst bauen [DIY Anleitung]

Die Raumakustik ist einer der wichtigsten Punkte für die Qualität der Produktionen in deinem Studio. Es ist ein Bereich, in welchem du mit wenig Budget große Verbesserungen erreichen kannst. Mit etwas Material und dieser Anleitung kannst du Absorber selbst bauen und die Akustik in deinem Studio verbessern. Du wirst sehen, diese Investition rechnet sich mehr als teure Geräte. Dank guter Raumakustik kannst du bessere Aufnahmen machen und deinen Mix genauer beurteilen.

Was sind Absorber eigentlich?

Breitbandabsorber gehören in die Kategorie der Schallschnelle-Absorber. Sie entziehen den Schallwellen Energie und wandeln diese in Wärme um. Sie werden mit Mineralwolle (Stein-, Glaswolle, oder Schaumstoff / Basotect) gefüllt und sollen den Nachhall in einem Raum absorbieren, um eine reflexionsfreie Zone am Arbeitsplatz zu schaffen.

In der Regel werden Absorber rechts und links sowie über dem Arbeitsplatz angebracht. Ein guter Weg um herauszufinden, wo Absorber hängen sollten, ist die Spiegel-Methode. Dabei setzt du dich an Deinen Arbeitsplatz und lässt einen Freund mit einem Spiegel auf deiner Kopfhöhe die Wand entlang fahren. Sobald du einen Lautsprecher im Spiegel sehen kannst, hast du einen Reflexionspunkt gefunden. Dort platzierst du einen Absorber. Mit dieser Methode findest Du schnell und einfach alle Stellen, an die ein Absorber gehört. Beachte jedoch nicht zu viele Absorber in deinem Raum zu platzieren, da dieser dadurch dumpf klingen könnte.

Worum geht es?

Mein Kumpel Andy hatte immer wieder Probleme mit der Raumakkustik in seinem Studio. Es gab diverse Raummoden, die wir auch an Hand von Raummoden-Rechnern identifizieren konnten. Um dem Herr zu werden, haben wir uns entschieden Absorber für die problematischen Wände zu bauen.

So soll’s werden

Zunächst sehen wir uns an, was wir eigentlich tun. So sieht sein Raum nach der Bestückung mit den Absorbern aus:

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Wir haben für sein Studio 12 cm dicke Breitband-Absorber gewählt, um aufgrund der Dicke auch etwas im Bassbereich zu absorbieren. Für die Rückwand haben wir einen 128×128 cm großen Diffusor geplant. Die Anleitung dafür gibt es später in einem separaten Artikel.

Zunächst geht es an die Planung der Absorber, hier spielt dein Raum eine große Rolle.

  • Wie viel Platz hast du?
  • Wie viele Absorber kannst du bauen?
  • Wie groß dürfen sie sein?

Das sind die Fragen, die bei deiner Planung berücksichtigt werden müssen. Andys Raum ist schmal und länglich (252 cm x 526 cm), deshalb habe ich Absorber gebaut, die schmal und hoch sind.

Eine Längsseite haben wir mit 5 Absorbern bestückt, die gegenüberliegende Seite aufgrund von 2 großen Fenstern nur mit einem. Um die Reflexionen von den Fenstern zu mindern hat er sich aus demselben Molton Vorhänge nähen lassen, die er in Mixing- und Aufnahmesituationen zuzieht.

Materialien

Folgende Materialien benötigst Du für den Bau der Absorber:

Wir haben Vlies, Winkel innen und außen, Schrauben, Haken und Dübel im Sonderpreis Baumarkt gekauft. Solltest du eine Filiale in deiner Nähe haben, empfehle ich dir aufgrund der enormen Kostenerstparnis im Vergleich zu „normalen“ Baumärkten, die Artikel dort zu kaufen. Die Qualität der Teile steht der anderer Anbieter in nichts nach. 

Abmessungen

Die Absorber sind sehr einfach. Der Kern des Absorbers ist ein Rahmen mit einer Zwischenstrebe. Die Maße sind so angepasst, dass die Steinwolle-Platten (62,5 cm x 100 cm) perfekt in den Rahmen passen.

Zeichnung-Maße-Absorber-selbst-bauen-Raumakustik-optimieren

A = 200 cm + 3 x 4 cm = 212 cm

B = 62,5 cm

C = B

Tiefe des Absorbers: 12 cm

Je Absorber brauchst du zwei Latten in Länge A und drei Latten in Länge B. Da jedes Homestudio unterschiedlich viele Absorber braucht, lasse ich meine Bedarfsrechnung (Gesamtmenge) weg.

Beim Stoff solltest du noch etwas Reserve einplanen.

Wir haben das so gemacht:
Länge = 212 cm + (2×12 cm) + (2×10 cm Reserve) = 256 cm
Breite = 62,5 cm + (2×4 cm) + (2×12 cm) + (2×10 cm Reserve) = 114,5 cm

Step 1 – Rahmen zusammenfügen

Zunächst verbindest du die fertig zugeschnittenen Holzbalken mit Hilfe der Winkel zu einem Rahmen. Vorab setzt du Markierungen für die Zwischenstrebe in der Mitte, dadurch läuft das Zusammenfügen der Einzelteile schneller. Dabei wählst und markierst du die „schönere“ Seite vom Holz, um diese dann für die Vorderseite des Absorbers zu verwenden. So entstehen keine unschönen „Hügel“ unter dem Stoff.

Die Winkel für die Montage des Rahmens.
Mittige Platzierung der Winkel für guten Halt.
Versetze Montage der Winkel bei der Zwischenstrebe.
So benötigt man nur zwei Winkel, was vollkommen ausreicht.
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Fertiger Rahmen.

Step 2 – Vlies befestigen

Für die Rückwand des Absorbers ist Vlies gut geeignet. Schneide es zunächst grob zu und lege es auf den Absorber. Tackere zuerst eine kurze Seite fest, um das Vlies spannen zu können. Spanne den Vlies anschließend bis zur Zwischenstrebe, tackere erst die kurze Seite, danach die längeren Seiten. Wiederhole den Vorgang für die obere Hälfte des Absorbers. Zum Schluss schneidest du das überschüssige Vlies mithilfe eines Cuttermessers oder Schneidegerätes ab.

Nach dem Tackern wird das überschüssige Vlies abgeschnitten.
Saubere Schnittkanten.
Rahmen mit Vlies bestückt.

Step 3 – Stoff und Steinwolle vorbereiten

Um den Molton nicht zu verschmutzen ist eine saubere Unterlage notwendig. Wir haben hierfür alte Bettlaken verwendet. Schneide den Molton zunächst in grobe Teile. Breite eines davon auf der Unterlage aus und lege einen Absorberrahmen, mit dem Vlies zum Stoff, darauf. Lege und drücke die Steinwolle anschließend in den Rahmen und drehe ihn danach um, sodass du die Rückseite des Rahmens siehst und mit dem Tackern des Moltons beginnen kannst.

Erst die Steinwolle in den Rahmen drücken.
Den Absorber danach umdrehen, sodass die Steinwolle nicht mehr zu sehen ist. Anders als in diesem Bild. 🙂

Step 4 – Stoff bespannen

Nun wird es etwas schwieriger. Bei einem so langen Absorber mussten wir sehr darauf achten, den Stoff gut zu spannen, da sonst Falten entstehen. Deshalb benötigst du bei diesem Arbeitsschritt Verstärkung. Eine Person sollte dabei den Stoff spannen, die andere tackern. Erledige erst die kurzen, dann die langen Seiten. Bei den Ecken ist besondere Sorgfalt geboten. Bevor du die letzte lange Seite tackerst, solltest du den Absorber umdrehen und prüfen, ob irgendetwas schief gelaufen ist und angepasst werden muss.

Wenn alles sitzt und getackert ist, entfernst du den überschüssigen Stoff mit dem Cuttermesser / Schneidegerät.

Wichtig: Die Ecken brauchen besondere Sorgfalt.

Step 5 – Winkel montieren

Nun montierst du die Winkel zum Aufhängen der Absorber. Achte dabei besonders darauf, dass die Abstände der Winkel zu den Außenkanten identisch sind. So kannst du die Bohrlöcher für die Haken genauer planen und anzeichnen.

Bei diesen Absorbern ging ich 4 cm von links/rechts und 2,5 cm von oben/unten in den Absorber.

Die breite Öffnung gibt die Möglichkeit zum Justieren.
Bei der Montage ist auf genaues Messen zu achten.

Step 6 – Haken anbringen

Bei diesem Schritt ist es wichtig, die identischen Abstände wie die der Winkel auf dem Absorber zu verwenden. Nach dem Ermitteln eines gleichmäßigen Abstandes der Absorber zwischen einander, zeichnest du die Löcher an und bohrst sie. Setze anschließend die Dübel ein und schraube die Haken bis zu einem Wandabstand von 2 cm ein.

Alternativ kannst du die Absorber mit Leisten befestigen. Dafür befestigst du je eine Leiste am Absorber und an der Wand, um den Absorber einhängen zu können. In diesem Kommentar findest du weitere Details dazu.

Winkel unten
Winkel oben

Step 7 – Aufhängen

Jetzt kommt der schönste Teil: Die fertigen Absorber an die angebrachten Haken einhängen. Zu zweit kann man diesen Arbeitsschritt am besten bewältigen.

Einhängen – fertig!

Jetzt kannst du die bessere Akustik genießen und Musik / Aufnahmen machen.

Messung Nachhallzeiten

Die Messung mit dem Messmikrofon beweist es: Die Absorber helfen deutlich! Es sind zwar noch nicht alle Probleme in dem Raum gelöst, jedoch lässt es sich hier nun deutlich besser arbeiten. Zudem enthalten die Messungen noch keine Vorhänge, sodass die linke Seite bei der Messung Reflexionen verursacht hat.

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Fazit

Wie aus den Messungen deutlich wird, kannst du für relativ wenig Geld sehr viel verbessern. Ich habe für die 6 Absorber weniger als 430 € ausgegeben. Dabei ist anzumerken, dass sogar der Molton für meine beiden Vorhänge (jeweils über 2 m breit) inkludiert ist.

Mit diesen Absorbern erreichst du eine Verbesserung der Raumakustik sehr preiswert und schnell. Es macht deutlich mehr Spaß in einem akustisch behandelten Raum zu arbeiten.

Viel Spaß beim Bauen!

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